Leistung soll sich nicht lohnen

Leistung soll sich nicht lohnen

Das kommt heraus, wann man nicht auf die Marketingsprüche der Großparteien, Industriellenvereinigung, Wirtschaftskammer und ihre Propagandaagenturen wie die Agenda Austria hört, sondern sich die Fakten ansieht.

Damit Leistung sich lohnt und Nicht-Leistung (Aktien- und Währungsspekulation, Erben, etc.) sich nicht oder weniger lohnt, müssten die Renditen auf Arbeit, also die Lohnsteigerungen pro Jahr, höher sein als die Renditen auf Spekulation. Ansonsten wird es immer unmöglich sein, durch Arbeit jemanden einzuholen, der schon mal mit einer geschenkten Immobilie, Sparbuch, Firma oder Aktienpaket angefangen hat. Und wenn man durch Arbeit nicht aufholen kann, wird man auch nie zu den Reichen gehören können, da ständig schneller reicher werden und Reichtum immer eine relative Sache ist.

Zynisch, aber genauso sieht unsere Welt heute aus und, mit kurzer Ausnahme in der Nachkriegszeit, tut sie das schon seit Jahrhunderten. Die Erträge aus Geldanlagen rentieren sich mehr als Arbeit. Das hat schon Piketty in seinem fulminanten Werk „Kapital im 21. Jahrhundert“ gezeigt und neue Studien bestätigen das bzw. beweisen sogar, dass Piketty zu optimistisch war. „Was Piketty gezeigt hat, gilt für viel mehr Länder, seit längerer Zeit und ist noch viel dramatischer“ sagen die Forscher um Òscar Jordà von der Federal Reserve Bank of San Francisco.

Rendite > Wirtschaftswachstum

Bis zum Jahr 1870 geht ihre Forschung und nur in den Zeiten der Weltkriegen lag das BIP-Wachstum der untersuchten Länder über den Renditen auf Aktien, Staatsanleihen und Immobilien, die bevorzugten Anlagen der Reichen und Superreichen. So machte ihre Rendite in den letzten 150 Jahren im Schnitt 6,28 Prozent aus, während das BIP um nur durchschnittlich 2,87 Prozent pro Jahr wuchs. Das heißt wir können produzieren und arbeiten was wir wollen, die Reichen werden durch unser Schaffen immer reicher und wir zahlen durch unsere Löhne und Steuern direkt auf ihre Konten ein.

So stellt sich natürlich die Frage, wer ihnen das Recht auf diese Rendite gibt. Es ist das Recht der Stärkeren, das sie sich auf Grund der Schwäche unserer demokratischen Institutionen, allen voran den Parlamenten, herausnehmen. Diese schieben ihnen nicht nur keinen Riegel vor, sondern bauen sogar Hürden ab, indem sie Vermögens-, Erbschaftssteuern abschaffen und Steuerhinterziehung legalisieren.

Und wäre das nicht absurd genug, erzählen sie uns, dass genau das Gegenteil die Realität ist. Dass Leistung sich lohnen muss und deswegen Vermögen nicht besteuert werden dürfen. So auch unser Bundeskanzler Kurz, der als Lösung gegen Armut Besitz empfiehlt. Aber wie zu Vermögen kommen, wenn Leistung höher besteuert wird als schon bestehendes Vermögen? Darüber wird niemals gesprochen, denn all die oben genannten Steigbügelhalter der Superreichen sind sich der Brisanz dieses Themas bewusst.

Die Fakten liegen am Tisch: die Welt schaut anders aus, als sie im Politik und Medien dargestellt wird. Wer arbeiten geht, kann nicht reich werden und ein paar Ausnahmen, die mit einer Firma erfolgreich wurden bestätigen nicht das Gegenteil. Sondern nur, dass Glück immer ein wichtiger Faktor ist und reich wurden sie dann jedenfalls auch nicht durch ihre Arbeit, sondern wiederum vor allem durch die Rendite auf die Arbeit anderer.

Autor: Fayad Mulla

 
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