Warum ich als (Klein)Unternehmer mit Fünfundfünfzig erstmals politisch aktiv wurde

fayad Demokratie, Krise und Verteilungsfragen, Vision, Wahlen Kommentieren

Beitrag von Michael Gunczy.

…und das bei einer progressiven prekären Kleinpartei.

Als ich mich 1988 selbstständig machte, reichte dazu etwas Sachkenntnis und ein Betrag von umgerechnet fünfzehntausend Euro aus. Nach fünfundzwanzig Jahren Selbstständigkeit habe ich eine recht gut abgesicherte Existenzgrundlage mit dem Handel und Service von Uhren geschaffen.

Auch mein Privatleben ist bis jetzt recht glücklich verlaufen. Sowohl meine Partnerin, als auch unsere gemeinsame Tochter sind starke und kluge Frauen. Unser kleines Reihenhaus in Kagran ist fast ausbezahlt. Da ich zu fast allem im Leben einen ganzheitlichen positiven Zugang gefunden habe, fühle ich mich auch seelisch im Gleichgewicht.

Das alles wäre, und ist für viele ein Grund ganz still zu sein und die Hände zum Gebet zu falten. Mir fehlt es auch nicht an Demut und Dankbarkeit. Glücklich ist für mich jemand der zufrieden ist, und persönlich bin ich deshalb auch glücklich. Trotzdem kann ich mich als Beobachter und Teilnehmer unserer Gesellschaft nicht zufrieden zurücklehnen. Zu groß sind die Probleme die uns allen in den letzten zwei Jahrzehnten immer tiefer ins Bewusstsein gerückt sind und ich glaube, ich muss sie eigentlich gar nicht mehr ansprechen. Die Ursachen sollte ich aus meiner Sicht eher ansprechen.

Viele Unternehmer sehen ja den Mangel an Freiheit der Wirtschaftsteilnehmer und einen zu starken Staat als Hauptgrund für unsere derzeitige Krise an. So meint etwa auch Herr Leitl, zu dem ich durch Zwangsmitgliedschaft besonders verbunden bin, letzte Woche, wir müssen nur unsere Wettbewerbsfähigkeit verbessern und alles wird wieder gut. Dieser Meinung meiner Standesvertretung kann ich mich absolut nicht anschließen. Wettbewerb ist zwar eine der Grundlagen der Wirtschaft, aber kein politisches Paradigma. Der Slogan der Wirtschaftskammer „gehts der Wirtschaft, gut gehts uns allen gut“ ist vielleicht gut gemeint, aber ein Trugschluss der Komposition (fallacy of composition). Die wahre Aussage verschweigt man dabei gekonnt. Nur wenn es den Menschen gut geht, kann es auch der Wirtschaft gut gehen.

Der Hauptgrund für die Verwerfungen unserer Zeit ist die ungleiche Verteilung der Gewinne aus der Wirtschaft. Weder steuerliche noch sonstige Regularien konnten verhindern, dass ein kleiner Prozentsatz von Menschen und Konzernen einen überwiegend Teil der Vermögen anhäuft. Mit der neoliberalen Revolution wurde die Freiheit des klassischen Liberalismus mit einer Liberalisierung des Vermögenstransfers zu dieser fatalen Mischung kombiniert.

Die ÖVP und andere Parteien die sich gerne als liberal oder freiheitlich bezeichnen, wolle den BürgerInnen Glauben machen, jede und jeder könne es schaffen, so er oder sie nur hart genug arbeitet, Teil des vor Vermögenssteuer schützenswerten Mittelstands zu werden.

Welch Betrug!

Ich zähle mich zwar zum Mittelstand (nur 13% der ÖsterreicherInnen zählen sich selbst nicht dazu), aber vor Vermögenssteuer fürchte ich mich am wenigsten. Das Streben nach mehr Geld unter Bedingungen des Wettbewerbsdruck hat uns in eine gesellschaftliche Sackgasse geführt. Viele zivilgesellschaftliche Organisationen haben den Kampf gegen diese Entwicklung bereits aufgenommen. Dadurch ist auch schon einiges an Umdenken entstanden.  Nur in der Politik scheint dieser Umdenkprozess nicht zu fruchten.

Ich habe mich immer wieder nach Alternativen zu den etablierten Parteien, zu denen ich auch die Grünen zähle, umgesehen. Sozialdemokratisch wie es die SPÖ einmal war, sollte es zumindest sein. Gerne mit Möglichkeitssinn für eine neue Postwachstumsgesellschaft.

Im April dieses Jahres bin ich, durch einen kurzen Kommentar auf derstandard.at auf die Partei ‚der Wandel‘ aufmerksam geworden. Nach einem Treffen mit den Wandelleuten war mir schnell klar, dass es sich da um den ganzheitlichen Zugang zur Politik handelt, den ich gesucht habe.

MOTTO: Ein gutes gemeinsames Leben für alle. Und das, als offener Prozess. Noch an diesem Abend habe ich die erste Parteimitgliedschaft meines, nicht so neuen Lebens unterschrieben und unterstütze seitdem den WANDEL mit Einsatz und Geld. Ich strebe kein politisches Amt jeglicher Art an und will das, das kluge junge Leute, wie die derzeitigen Protagonisten des Wandels machen.

Wir können die Welt nicht ändern, ohne unsere Ideen zu ändern.

Michael Gunczy, 55, ist selbständig und betreibt ein Uhrengeschäft in Wien.

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