Der Wandel-Konvoi an die ukrainische Grenze

Fayad Mulla Flucht & Asyl Kommentieren

Zwischen 24. Februar und 12. März 2022 haben 2,8 Millionen Menschen die Ukraine verlassen. Auch an der ungarisch-ukrainischen Grenze kommen täglich neue Menschen an, die bisheriges Leben hinter sich lassen mussten und jetzt auf Solidarität und konkrete Hilfe von uns allen angewiesen sind.

Wir haben uns entschieden, das Projekt warhelp.eu zu unterstützen, die mehrmals pro Woche Lebensmittel und Hygieneprodukte an die ukrainische Grenze bringen und auf dem Rückweg Menschen den Transport nach Wien ermöglichen. Für diese Menschen wurden dann kurzfristige, private Unterkünfte organisiert, die gleich nach Ankunft bereit standen.

Danke an Toni, Tobi, Markus, Ingrid, Michi, Noah, Juliette und Dora fürs Fahren. Danke an Anja und Frank für die fantastische Verpflegung. Danke an Isabella, Max und Frank fürs Backup. Danke an alle, die den Transport mit Spenden oder anderswie möglich gemacht haben. Und Danke an alle Spender:innen, durch die wir Automiete und Treibstoff finanzieren konnten.

Wie läuft so ein Transport ab?

Die Fahrt von Wien an die ungarisch-ukrainische Grenze dauert ca. 6 Stunden. Fast die gesamte Strecke verläuft entlang einer sehr gut ausgebauten Autobahn. Dass man dem Krieg entgegenfährt merkt man eigentlich nur daran, dass es im Osten Ungarns kaum noch Diesel gibt. Die Tankstellen, die noch welchen haben, rationieren die Ausgabe mittlerweile.

An den verschiedenen Grenzen versorgen lokale NGOs die Leute nach dem Grenzübertritt mit dem Nötigsten und bieten teilweise auch Notschlafstellen. Da aber ständig neue Leute über die Grenze kommen, ist das Hauptziel an der Grenze, den Menschen eine möglichst rasche Weiterfahrt zu ermöglichen. Manche Menschen wissen, wohin sie wollen: zu ihrer Familie, zu Freundinnen oder Kolleginnen irgendwo in Europa. Andere stehen vor dem Nichts und hoffen einfach auf ein sicheres Dach über dem Kopf. Fahrerinnen können sich mit ihrem Fahrtziel registrieren und bekommen dann von den lokalen Koordinatorinnen Mitfahrerinnen zugewiesen.

Für Menschen, die in der Ukraine leben, aber kein ukrainische Staatsbürgerschaft haben, ist die Situation weniger einfach. Sie flüchten vor dem gleichen Krieg, doch sobald sie die Ukraine verlassen, gelten für sie andere Regeln. Sogenannte „Drittstaatsangehörige“ können zwar mittlerweile auch aus humanitären Gründen in Österreich einreisen oder durch Österreich durchreisen, aber nur „um weiter in Ihren Herkunftsstaat zu gelangen“. Wie mittlerweile ausführlich dokumentiert ist, werden Menschen aus aus Nigeria, Ghana, Ägypten, dem Jemen, Indien und anderen Ländern an der Einreise in die EU gehindert, schikaniert bzw. immer wieder mit Gewalt bedroht.

Der Wandeltransport war insgesamt 18 Stunden unterwegs. In dieser Zeit hat unser Team vier Transporter mit Lebensmitteln und Hygieneprodukten an die ukrainische Grenze und 14 Menschen samt zwei Haustieren nach Wien gebracht. In Anbetracht der Situation ein Tropfen auf einen heißen Stein. Aber je heißer der Stein, desto mehr Tropfen braucht es.

Was wir mit den Spenden noch tun?

Alle Spenden darüber hinaus leiten wir direkt nach Kiew weiter. Wir sind mit den Aktivist:innen von Соціальний рух | Sotsіalniy Rukh | The Social Movement (Facebook 1 – Web – Instagram) in Kontakt, die vor Ort arbeiten soviel sie können. In der Westukraine organisieren sie Unterkünfte, Essensverteilungen und Transporte aus der Ukraine. In Kiew und anderen Städten helfen sie dort, wo Hilfe gebraucht wird. Dabei arbeiten sie unter extrem prekären und gefährlichen Bedingungen. Was sie von uns im Moment am meisten brauchen können, ist Geld.

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